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Zur Übersicht | 19/01/2020

Pille - Wann sie zur Gefahr werden kann

Die Pille bei Patientinnen mit Risiko – Wann sie zur Gefahr werden kann

Tina Geppert, Berthold Musselmann

Die Pille ist in Deutschland das beliebteste Verhütungsmittel. Im Alter zwischen 18 und 20 Jahren nehmen etwa 80% der jungen Frauen die Pille. Bei den am häufigsten verschriebenen Präparaten handelt es sich in der Regel um 2-Phasenpräparate, die einen Östrogenanteil (Ethinylestradiol in unterschiedlichen Dosierungen) und einen Gestagenanteil haben, der sich im Laufe der Pillengenerationen geändert hat.

Pillen der 1. Generation spielen aufgrund ihrer hohen Dosierungen keine Rolle mehr. In der 2. Generation wird Levornorgestrel eingesetzt. In der 3. und 4. Generation Drospirenon, Dienogest, Nomegestrolacetat, Chlormadinon und Desogestrel, Wirkstoffe mit deutlich erhöhtem Risiko für Thrombosen (Verstopfungen von Venen mit möglicherweise tödlicher Lungenembolie, also Verstopfungen der großen Gefäße in der Lunge) gegenüber Levornorgestrel, die heutzutage jedoch hauptsächlich verschrieben werden.

Mittlerweile ist bekannt, dass Rauchen das Thromboserisiko bis ca. um das Siebenfache erhöhen kann. Weniger bekannt und beachtet ist, dass die WHO eine ganze Liste von relativen und absoluten Kontraindikationen für die Pille veröffentlicht hat.

Was sind absolute und relative Kontraindikationen?

Absolute Kontraindikation bedeutet: Es wird keine Anwendung aufgrund zu hoher Gesundheitsrisiken empfohlen.

Relative Kontraindikation bedeutet: Das Risiko übersteigt den Nutzen, auf Wunsch der Patienten ist eine Einnahme nach Aufklärung möglich, wenn die Patienten mögliche Risiken in Kauf nehmen und regelmäßig überwacht werden.

Hier sind die wichtigsten Beispiele für absolute Kontraindikationen und mögliche Alternativen zur 2-Phasenpille

- Diabetes mellitus mit Folgeerkrankungen (Nieren: Nephropathie/ Augen: Retinopathie/ KHK = Koronare Herzkrankheit, pAVK: periphere Arterielle Verschlusskrankheit, Nerven: Neuropathie) und weiteren Risikofaktoren (Thromboseneigung/Rauchen/erhöhte Fettwerte = Hyperlipidämie)

alternativ ->Gestagenmonopräparat (muss strikt zur gleichen Uhrzeit eingenommen werden, macht auch Nebenwirkungen)

oder auf ein hormonfreies Präparat ausweichen (Kupferkette/-spirale), Pessare wie Caya, natürliche Verhütungsmethoden wie die Kontrolle von Temperatur/Gebärmutterschleim

- Rauchen über 15 Zigaretten am Tag und Alter über 35 Jahren

Gestagenmonopräparat (muss strikt zur gleichen Uhrzeit eingenommen werden, macht auch Nebenwirkungen)

oder auf ein hormonfreies Präparat ausweichen (Kupferkette/-spirale), Pessare wie Caya, natürliche Verhütungsmethoden wie die Kontrolle von Temperatur/Gebärmutterschleim

Vorsicht: Wenn man raucht und die Pille einnimmt, steigt das Sterblichkeitsrisiko mit Dauer der Pilleneinnahme und Anzahl der Zigaretten an! Das Risiko für Herzinfarkte ist um das 2-10-fache erhöht!

- schlecht eingestellter Bluthochdruck > 160/100

- gut eingestellter Bluthochdruck < 140/100 mit weiteren Risikofaktoren (erhöhte Fettwerte = Hyperlipidämie, Diabetes mellitus, Thrombophilie = erbliche Thromboseneigung)-> weitere deutliche Steigerung der Thromboserisikos

- Migräne mit Aura (Aura: diverse Seh-, Gefühls- und Sprachstörungen im Zusammenhang mit der Migräne), da hier das Apoplexrisiko (Schlaganfall) um das 6-fache erhöht ist!

 

Beispiele für relative Kontraindikationen und Alternativen:

- Diabetes mit vaskulären Folgeerkrankungen (Nieren: Nephropathie/ Augen: Retinopathie/ KHK=Koronare Herzkrankheit, pAVK: periphere Arterielle Verschlusskrankheit, Nerven: Neuropathie)

Gestagenmonopräparat (muss strikt zur gleichen Uhrzeit eingenommen werden, macht auch Nebenwirkungen)

oder auf ein hormonfreies Präparat ausweichen (Kupferkette/-spirale), natürliche Verhütungsmethoden, wie z.B. die Kontrolle von Temperatur und Gebärmutterschleim

- Rauchen von < 15 Zigaretten am Tag und Alter unter 35 Jahren

Gestagenmonopräparat (muss strikt zur gleichen Uhrzeit eingenommen werden, macht auch Nebenwirkungen)

oder auf ein hormonfreies Präparat ausweichen (Kupferkette/-spirale), natürliche Verhütungsmethoden, wie z.B. die Kontrolle von Temperatur und Gebärmutterschleim

- gut eingestellter Bluthochdruck < 140/100

Gestagenmonopräparat (muss strikt zur gleichen Uhrzeit eingenommen werden, macht auch Nebenwirkungen)

oder auf ein hormonfreies Präparat ausweichen (Kupferkette/-spirale), natürliche Verhütungsmethoden, wie z.B. die Kontrolle von Temperatur und Gebärmutterschleim

- Migräne mit Aura und Gestagenmonotherapie → besser hormonfreies Präparat!

- Adipositas (BMI >35) ohne Bluthochdruck (arterieller Hypertonus), Hyperlipidämie= erhöhte Fettwerte, Diabetes mellitus

generell und unbedingt, wenn 1 Risikofaktor vorhanden ist, auf Gestagenmonopräparat oder hormonfreies Präparat ausweichen (Kupferkette/-spirale)

Vorsicht: Thromboserisiko schon bei Adipositas Grad 1 (BMI 30-34,9) auf das 10-fache erhöht, bei höheren Graden bis auf das 24-fache!

BMI: Gewicht in kg : (Körpergröße in m x Körpergröße in m)


Und wer kann die Pille ohne Kontraindikation nehmen?

- Frauen mit Diabetes ohne vaskuläre Erkrankungen oder diabetische Folgeerkrankungen

- gesunde Raucherinnen unter 30 ohne Thrombophilie (erbliche Thromboseneigung, ist jedoch öfters nicht bekannt, dass eine familiäre Neigung besteht)

- Frauen mit zyklusabhängigen Kopfschmerzen, die keine Migräne sind (ggfs Langzyklus/Dauereinnahme - Gestagenmonopräparat)

- Frauen mit Migräne ohne Aura <35 Jahren


Trotzdem müssen auch diese Frauen wissen, dass sie bei Einnahme von

Levonorgestrel, Norethisteron, Norgestimat und Kombipräparaten: Ethinylestradiol und Levonorgestrel (Asumate, Evaluna, Femikadin) ein etwa verdoppeltes Thromboserisiko haben

und bei Einnahme von Dienogest, Gestoden, Desogestrel, Drospirenon, Etonogestrel und Norelgestromin ein um das 3-6-fache erhöhtes Thromboserisiko.

Gut zu wissen ist auch, wann das Risiko weiter steigt, nämlich

- besonders innerhalb des 1. Jahres, bei Wiederbeginn nach Pausen von mindestens 4 Wochen. Besonders hoch ist das Risiko in den Monaten nach einer Schwangerschaft.

- mit zunehmendem Alter, Nikotinabusus, Diabetes, bei Bluthochdruck (Hypertonus), Thrombophilie ( (erbliche Thromboseneigung, ist jedoch öfters nicht bekannt, dass eine familiäre Neigung besteht, z.B. Faktor-V-Leiden, auch bei Verwandten 1. Grades!)), nach schweren Traumen/Unfällen.

Achtung auch bei Operationen mit längerer Immobilisation->absetzen empfohlen!

Außerdem besteht der Verdacht, dass die Nikotinabhängigkeit durch Veränderung des Stoffwechsels des Nikotins durch die Kombinationspille verstärkt wird!


Lit.:

Zahllose Beiträge des at (Transparenztelegramm Berlin)

Dt. Ärzteblatt Int 2019; 116: 764-74: Kontrazeption bei Patientinnen mit Risikokonstellation






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© 2001, 2013 - Dr. med. Berthold Musselmann, D-69168 Wiesloch - Datenschutzerklärung | Impressum

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